Jeder weiß, was Spuk ist, und doch
well keiner, was er wirklich ist. Immerhin ist die Forschung dem Spuk
auf der Spur und unterscheidet ortsgebundenen von personengebundenem
Spuk. Ein dritter Typus ist der ephemere Spuk, von Fanny Moser
vorgeschlagener Begriff, der sich jedoch nicht etabliert hat. Wenn Dinge
passieren, die eigentlich gar nicht passieren dürfen, fühlt sich unser
gesunder Menschenverstand beleidigt, weil er es nicht versteht:
Gegenstände bewegen sich von allein, fliegen in der Luft herum, Dinge
verschwinden und tauchen an einem unerwarteten, oft unpassenden Ort
wieder auf, Türen öffnen und schließen sich von selbst, merkwürdige
Geräusche von Menschen oder Tieren lassen sich hören, als ob jemand
etwas Bestimmtes täte, wenn doch gar keiner da ist, Seidenkleider
rauschen im leeren Schloss, Musikinstrumente fangen von allein an zu
spielen usw., kurz und gut, es sind viele ernsthafte und gute Bücher
über diese Verrücktheiten geschrieben worden, nicht nur früher, sondern
heute noch.
Die große Frage, ob in Spukfällen
Lebende oder Verstorbene eine ursächliche Rolle spielen, wird von
wissenschaftlicher Seite sehr unterschiedlich beantwortet. Während der
ortsgebundene -+ Spuk gern mit der Annahme einer objektiven Existenz der
Geister von Verstorbenen beantwortet wird, werden in der Regel zur
Erklärung des personengebundenen Spuks keine unabhängig vom menschlichen
Körper existierenden Geister herangezogen. Der Terminus Recurrent
Spontaneous Psychokinesis (RSPK), „Sich wiederholende Psychokinese“
impliziert durch den aus dem Griechischen abgeleiteten Begriff
„Psychokinese“, wörtlich „Bewegung durch die Seele“, dass im lebenden
Menschen eine Kraft liegt, die für die Poltergeistphänomene, das Werfen
von Gegenständen usw., verantwortlich gemacht wird. Andererseits wird
auch von analogen Vorgängen, also nicht von dem Prinzip „Ursache und
Wirkung“ ausgegangen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird „Spuk“
allerdings viel weiter gefasst und kann sich generell auf alles, was
geisterhaft erscheint, beziehen. Das erklärt sich aus der Geschichte des
Begriffes, der in frühneuhochdeutscher Zeit aus dem Niederdeutschen ins
Hochdeutsche eingegangen ist. Damals bedeutete spook zweierlei: eine
gespensterhafte Erscheinung und das verantwortliche Gespenst selbst.